Knapheide GmbH Hydraulik-Systeme

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Trend hin zum Kit

Hydraulik-Schlauchleitungen und Verbindungselemente

Zu den Spezialitäten der Beckumer Knapheide GmbH zählen unter anderem Hydraulikschläuche und -schlauchleitungen, Rohre und Drehdurchführungen, mit denen immer öfter komplette Montagebausätze oder einbaufertige Systeme für Maschinen und Fahrzeuge entstehen.
von Dipl.-Ing. Nikolaus Fecht

Die Knapheide-Gruppe mit Stammsitz in Beckum entstand 1967 und belieferte zunächst den nationalen und später den internationalen Bergbau mit Hydraulik- Bausteinen. Heute fertigt das Unternehmen Schlauchleitungen, Armaturen, Lötarmaturen und Ventile und liefert Komplettlösungen für verschiedene Branchen. So beziehen unter anderem die deutschen Steinkohlebergwerke nach Firmenangaben alle Hydraulik- Schlauchleitungen und Verbindungselemente nur von Knapheide. 55.000 unterschiedliche Produkte werden in Serienfertigung, aber auch in kleinen Losgrößen von 20 bis 50 hergestellt. Früher lagen die Losgrößen bei 200 bis 1.000 Stück. Seine Schlauchproduktion hat das Unternehmen durch die Übernahme der Hydraulik-Schlauchproduktion der Firma Phoenix in Thüringen erheblich erweitert. Die Tochter fertigt pro Jahr rund 15 Millionen Meter geflochtene und spiralisierte Höchstdruckschläuche mit ein bis vier Lagen. In Beckum werden pro Tag bis zu 25.000 Schlauchleitungen konfektioniert. Vertriebsleiter Klaus-Peter Schmitt: "Wir zählen sicherlich zu Deutschlands größten Hydraulikschlauch-Herstellern, die auch Nischenanwendungen bedienen." Dabei geht der Trend hin zu maßgeschneiderten Systemen, die Knapheide zumeist mittels Kanban-Systems (typische Abruffristen: fünf Tage) direkt ans Band liefert. Es gebe zwar immer noch Sammelbesteller von konfektionierten Schläuchen in größeren Chargen, aber der Trend gehe hin zu Montagebausätzen oder fertig geprüften Systemen in immer kürzeren Anliefertakten. Für einen Baggerhersteller werden die konfektionierten Schlauchleitungen sogar mit Folienschläuchen und Klebestreifen über den Armaturen zum Schutz beim Lackieren geliefert. Den Wettstreit mit dem Rohr entscheide immer öfter der Schlauch für sich, so der Vertriebsleiter. "Es gibt einige Anwender, die sich wieder von der Verrohrung verabschieden", stellt er fest. "Sie setzen auf Schlauchleitungen, weil sie sich flexibler verlegen lassen und Stöße besser abfangen."

Lieber Schlauch statt Rohr?

Schlauchkonfektion
Schlauchkonfektionierung: Das Unternehmen fertigt pro Tag bis zu 25.000 Schlauchleitungen, die der Anwender mittels Kanban-Lagers mit einer Abruffrist von fünf Tagen ordern kann.

Höchstdruckschläuche werden immer hochwertiger

Eine Rohrleitung zwingt einen manchmal auch wegen der geforderten Präzision in ein Korsett." Hinzu komme – so der technische Leiter Dipl.-Ing. Artur Mannig – dass die Höchstdruckschläuche immer hochwertiger werden: "Sie werden mittlerweile bis zu Betriebsdrücken von 480 bar und bis zur maximalen Nennweite DN 63 eingesetzt." Versorgungsleitungen für den Bergbau gibt es beispielsweise für Drücke bis 350 bar in Nennweite DN 63 und bis 40 bar in Nennweite DN 85. Doch wie sieht es bei Werkzeugmaschinen aus? Schmitt beobachtet, dass Schläuche im Prinzip nur bei Übergangsstellen zum Einsatz kommen. Die Verrohrung dominiere nach wie vor bei den großen Maschinen. Knapheide stellt Rohrleitungen in den Größen DN 6 bis DN 250 für Drücke bis maximal 700 bar her, wahlweise mit Schneidringen oder Schweiß- und Lötanschlüssen. Verschraubungen oder SAE-Flansche sorgen für die Verbindungen. Mannig: "Wir liefern auch komplette Pakete. Beispiel Bagger: Für diese besteht das System aus allen Hydraulik- Elementen, die zwischen dem Steuerblock und dem Löffel montiert werden." Zum Paket gehören dann unter anderem Rohre, Schläuche sowie Sammler und Verteiler, die im Vakuum- oder Induktivverfahren gelötet werden. Es handelt sich also ebenso wie bei den Schlauchleitungen immer öfter um einbaufertige, geprüfte Kits, die direkt ans Band des Fahrzeugherstellers gelangen. Die Beckumer sind bei Lösungen rund um das Rohr besonders stolz auf die Entwicklung von Sammlern mit integrierten Ventilen. Schmitt: "Wir integrierten die Ventiltechnik in die Leisten. Es handelt sich dabei um ein Highlight, das bei den Anwendern sehr gut ankommt."

Rund 15.000 produzierte Drehdurchführungen pro Jahr

Einer der zufriedenen Stammabnehmer, ein Baggerhersteller, drängte Knapheide vor rund einem Jahrzehnt dazu, auch noch Drehdurchführungen ins Programm aufzunehmen.

Verbinder

Alle namhaften Baggerhersteller zählen heute nach Firmenangaben zu den Anwendern der rund 15.000 jährlich produzierten Drehdurchführungen. "Wir spezialisierten uns in den vergangenen zehn Jahren auf Ausführungen in Ein- bis 21-Kanaltechnik", so der technische Leiter.

Maßgeschneiderte Produkte und hohe Fertigungstiefe

Auch diese Produkte entstehen maßgeschneidert. Die Fertigungstiefe liegt hoch, denn nur wenige Bearbeitungsschritte – beispielsweise die Oberflächenbehandlung – erfolgen extern. Jedes Erst-Bauteil einer Serie erhält auf einer der beiden Zeiss-3D-Messmaschinen eine 100-Prozent-Prüfung. Hinzu kommen häufige Stichproben durch Werker-Selbstprüfungen. Schmitt: "Wir unterziehen bei der Dokumentationspflicht zuweilen sogar jedes Teil eine 3D-Messung. Das betrifft unter anderem Steuerblöcke, Lagerköpfe und Kolbenführungen."

"Wir gehören sicherlich zu Deutschlands größten Hydraulikschlauch-Herstellern, die auch Nischenanwendungen mit kundenspezifischen Lösungen bedienen"

Klaus-Peter Schmitt, Prokurist und Vertriebsleiter bei Knapheide Klaus-Peter Schmitt, Prokurist und Vertriebsleiter bei Knapheide.

"Hydraulik-Höchstdruckschläuche stehen mittlerweile bis zu Betriebsdrücken von 480 bar und der maximalen Nennweite DN 63 zur Verfügung"

Dipl.-Ing. Artur Mannig, Prokurist und technischer Leiter Dipl.-Ing. Artur Mannig, Prokurist und technischer Leiter

Schläuche für extreme Einsätze

Fünf Einsatzbeispiele

  1. Flexmaster für Maschinen mit hohen Betriebsdrücken und beengten Einbauverhältnissen: Weiterentwicklung der 2SC-Schläuche nach EN 857, drei Geflechtslagen, extreme Flexibilität, Druckbelastbarkeit wie 4SP-Schläuche nach EN 856, Biegeradius bis 30 Prozent kleiner als 4SP
  2. Tempmaster für Maschinen mit hohen Temperaturen (etwa im Motorraum): Schläuche nach EN 853 bis 857, extrem temperaturbeständige Innenseele und Außendecke, Dauertemperatur minus 40 bis plus 135 Grad Celsius, kurzzeitige Temperaturspitzen bis plus 150 Grad Celsius
  3. Stonemaster für Maschinen mit rauhen Betriebsbedingungen (zum Beispiel Bergbau- maschinen): Schläuche nach EN 853 bis 857, abriebfeste Außendecke (rund fünfmal besser als Standarddecke), Abrieb 0,03 bis 0,05 Gramm auf 2.000 Hübe
  4. Diamondmaster für Maschinen mit extremen Verschleißanforderungen an die eingesetzten Schlauchleitungen: Schläuche nach EN 853 bis 857, extrem abriebfeste Außendecke mit PE-Überzug, kein messbarer Abrieb nach einer Million Zyklen, Entfall eines zusätzlichen Scheuerschutzes
  5. Ozonemaster für Maschinen mit extrem hohen Umweltbedingungen (Sonne, Kälte, Elektro-Smog): Schläuche nach EN 853 bis 857, ozonbeständige Außendecke.

Profil: Knapheide

Die Knapheide GmbH Hydrauliksysteme in Beckum und diverse Spezialunternehmen bilden die Gruppe (850 Mitarbeiter, 160 Millionen Euro Umsatz), in der Präzisions-Drehtechnik, Hydraulikschläuche, Schlauchtechnik, Fördertechnik und elektrohydraulische Steuerungs- und Verfahrenstechnik für den internationalen Bergbau und Erdbewegungsmaschinen entstehen. Zu den Töchtern gehören: Tiefenbach Control Systems GmbH aus Essen (hydraulische und elektrohydraulische Steuerungstechnik für den Bergbau), Knapheide GmbH Hydraulic- Hoses in Waltershausen/Thüringen (Höchstdruckschläuche der Marke Phoenix), Knapheide GmbH Präzisions-Drehtechnik (Schlauch- und Verbindungsarmaturen) und Knapheide GmbH Industrie-Schlauchtechnik in Beckum (Hydraulik-Schlauchleitungen).

Quelle: fluid Spezial 2007

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