Schlauchfertiger dehnt sich aus
Knapheide GmbH investiert in den Standort Waltershausen und nimmt weitere Halle in Betrieb
Von Wieland Fischer
Waltershausen, (tlz).
In der letzten deutschen Produktionsstätte, die Hydraulikschläuche fertigt, stehen die Zeichen auf Erweiterung. Das Knapheide-Werk in Waltershausen will im April eine weitere Halle in Betrieb nehmen und den Tagesausstoß von derzeit 37 000 Meter Schlauch auf dann täglich 42 000 Meter steigern.
Die Stadt Waltershausen und die Mitarbeiter des Werkes sehen die Entwicklung mit Freude. Vom Industriestandort an der Gothaer Straße sind die letzten Altlasten verschwunden. Denn Brachen des alten Gummiwerkgeländes sind eingeebnet und eine Halle, die Mitte der 70er Jahre errichtet worden war, wird neu eingerichtet. „Das ist besser, als wenn sie abgerissen würde", stellte Bürgermeister Michael Brychcy bei seinem gestrigen Firmenbesuch fest.
Die Knapheide Hydraulik-Systeme GmbH, mit Stammsitz in Beckum und insgesamt 850 Mitarbeitern, investiert vier Millionen Euro in den Standort Waltershausen. Dort läuft die Fertigung von Hydraulikschläuchen, die dann in Bagger oder Mähdreschern zum Übertragen von Drücken verwendet werden.

Für Betriebsleiter Joachim Sturm (55) und die jetzt 120 Knapheide-Beschäftigten in Waltershausen stellt sich die Übernahme durch das mittelständische Unternehmen aus Beckum als Glücksfall dar. Ganz anders standen die Vorzeichen 2002.
Im Zuge des Übertritts der Phoenix zur Conti sollte die Hydraulikschlauch-Fertigung in Waltershausen ausgelagert werden. Ein Konzern hatte schon Interesse angemeldet und wollte den Maschinenpark nach Tschechien verlagern. Firmeninhaber Werner Knapheide erfuhr davon und machte sich für das Werk in Waltershausen stark.
Sturm, der im Gummiwerk gelernt hat und seit 1981 in dem Betrieb arbeitet, sagt anerkennend: „Wir sind froh, dass Knapheide ein bodenständiger Unternehmer ist." Denn während andere Schlauch-Produzenten in Billiglohnländer abwandern, baut der in Deutschland und speziell in Waltershausen aus. Sturm verrät das Erfolgsrezept: „Wir halten die Qualitätsfahne hoch."
Es sei vielleicht etwas kostspieliger, einen Mähdrescher mit etwa 100 Meter Hydraulikschlauch aus deutscher Produktion zu bestücken, aber wenn ein Billigprodukt wochenlang wegen defekter Schläuche in der Ernte stehen bleibe, werde das richtig teuer. Der Erfolg bestätigt diese Rechnung.
Nach Übernahme durch Knapheide haben die Waltershäuser die Geburtswehen schnell überwunden. Der Jahresumsatz stieg seither stetig um etwa zehn Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs von 67 vor fünf Jahren auf nun 120. Jetzt läuft die Produktion sieben Tage die Woche, nur sonntags werde halbe Schicht gefahren. Schläuche mit neun verschiedenen Nennweiten werden in Waltershausen gefertigt: Das Inne-re, die „Seele", wird mit Drahtgeflecht versehen, damit der Schlauch hohen Drücken Stand hält, und mit Gummiaußenschicht überzogen. Im April wird das auf die neue Halle ausgedehnt.


